Auf den Warägernwegen

Während der Reise um St. Petersburg und Welikiy Nowgorod herum können Sie sich plötzlich in die Vergangenheit versetzen und die Geschichte des geheimnisvollen Stammes der alten Rus kennenlernen. Die Urgroßeltern der ersten legendären russischen Fürsten, Waräger, haben nicht viel hinterlassen. Aber das wenige was sie hinterlassen haben ist sehenswert.

Sogar derjenige, der sich in der Geschichte nicht gut auskennt, kennt bestimmt den Namen Rürick: laut unserem ersten Geschichtslehrbuch, „Nestorchronik”, wurde dieser die Chronik schreibender Waräger, Skandinavier, zusammen mit seinen Brüdern im Jahr 862 nach Nowgorod eingeladen um als Fürst zu herrschen. Mit diesem säkularen Ereignis, das Berufung der Waräger genannt wurde, beginnt die Geschichte des russischen Staatswesens.

Es werden ständig Diskussionen über die Wahrheit dieser Angaben geführt: wer ist Rürick, woher kam er, und gab es diesen Menschen überhaupt wirklich? Die Waräger haben viele ideologische Gegner, deren Anzahl während der Kriege zunahm: Zuerst die Schweden und dann die Nazisten versuchten Russland in Besitz zu nehmen. In solchen Bedingungen gehen die Theorien über die Rassendominanz wie Hefe auf.

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Aber die Wissenschaft hat schon lange keine Zweifel mehr darüber, dass Waräger nicht nur wirklich existierten, sondern auch auf die Rus einen großen Einfluss hatten. Sie haben uns als Erbe viel interessantes hinterlassen, was die Mongolische Invasion der Rus, die Entstehung und den Zerfall von Reichen überstanden hat. Die Archeologen sind sicher, dass die altrussische Kultur vieles von den Skandinaviern übernommen hat: Schmiede- und Schmuckhandwerk, Beerdigungszeremonien. Was aber die gewöhnlichen Sterblichen angeht, die den größten Teil ihres Lebens nicht den Ausgrabungen gewidmet haben, sind die Spuren der Waräger sogar in der Sprache erkennbar: die Vornamen Olga, Oleg, Igor und Gleb sind normannischer Herkunft. Diejenigen, die das Erbe der Waräger mit den Händen betasten möchten, können Welikiy Nowgorod und die Alte Ladoga besichtigen.

Diejenigen, die das Erbe der Waräger mit den Händen betasten möchten, können Welikiy Nowgorod und die Alte Ladoga besichtigen

Woher sie stammte

Wenn man dem Einwohner der Altstadt Nowgorod vor tausend Jahren gesagt hätte, dass er Russe ist, wäre er sehr erstaunt gewesen. Genauso wie sich die alten Griechen wundern würden, dass sie eigentlich alte Griechen sind. Aus der Sicht der damaligen Nowgoroder sind Russen Waräger, also Skandinavier, Normannen, die praktisch in einem anderen Land leben: in Kiev, Tschernigov, Pereslavl, d.h. auf dem Territorium eines Staates, der heute die alte Rus genannt wird. Das Nowgoroder Land gehört nicht dazu. Deshalb war es für einen Nowgoroder des XII Jahrhunderts ganz normal in einer Birkenrindenurkunde anzugeben, dass er „die Rus besucht hat”, d.h. in Pereslavl war.

Dabei verwirrte die Nowgoroder nicht die Tatsache, dass Rürick zu ihnen gekommen ist um als Fürst zu herrschen. Und mittlerweile sind die Spuren seiner Anwesenheit noch heute erkennbar, u.z. buchstäblich in drei Kilometern vom Stadtzentrum entfernt.

Im Grunde genommen um die Spuren von Rürick in der Burgstadt von Rürick zu finden wird man richtig herumsuchen müssen: die Kulturschicht des IX Jahrhunderts befindet sich schon seit langem in der Tiefe von einigen Metern. An der Oberfläche ist das nur ein kleiner Hügel mit Ruinen der Maria-Verkündigungs-Kathedrale, die im XII Jahrhundert errichtet wurde und nichts mit den Warägern zu tun hat. Aber die Waräger waren hier ganz genau: bei den Ausgrabungen wurden die Kriegsausrüstung und Kleidung der Skandinavier, Metallmünzen (Hrywna) mit Thors Hammern, Aufhänger mit Runen und eine silberne Walküre-Statue entdeckt. Das alles zeugt davon, dass die westlichen Gäste hier waren. Und das ist kein Wunder: die ersten altrussischen Herrschen, laut Chroniken, konnten an der Nowgoroder Fürstenresidenz, die sich in der Burgstadt befand, einfach nicht vorbeigehen. Die war ein administratives, politisches und militärisches Zentrum.

Bei den Ausgrabungen wurden die Kriegsausrüstung und Kleidung der Skandinavier, Metallmünzen (Hrywna) mit Thors Hammern, Aufhänger mit Runen und eine silberne Walküre-Statue entdeckt.

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Dieser Ort ist perfekt für dieses Bauwerk geeignet: am Ursprung des Wolchow-Flusses beim Ilmen-See, geschütz von Wasser, am Hügel, auf einem alten Handelsweg. Aber die strategischen Vorteile haben nicht nur die Waräger bemerkt, sondern auch die Bauarbeiter des XVIII Jahrhunderts, die in der Burgstadtmitte den Sieverskanal gebaut haben, was natürlich sehr die modernen Archäologen deprimiert, aber die romantische Atmosphäre dieses Ortes nicht verdirbt. Also wenn Sie den Wunsch haben den Ort „wo das Russische Land entstand” zu besichtigen, ist die Burgstadt von Rürick eine ausgezeichnete Wahl.

DerRürickerSchloss

Aber es gibt einige Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Frage wer und woher kommt. Die Nowgoroder bezweifeln nicht, dass Rürick das Fürstenhaus auf ihrem Land gegründet hat. Zum Beweis verweisen Sie auf die Chronik von Lavrentiy. Im Gegensatz zu den nördlichen Nachbarn (Ladoga) zeigen die Chronik von Ipatjev und behaupten, dass die Waräger in die alte Ladoga gekommen sind. Die modernen Historiker haben diese geographischen Nichtübereinstimmungen als Herausforderung angenommen und nach langen Überlegungen sind dazu gekommen, dass Ladoga besser als ursprüngliches Basierungsort geeignet ist.

Heute ist nicht mehr so viel vom ehemaligen Ruhm geblieben: ein kleines Dorf, etwa zweitausend Einwohner und stolzer Status „alte Hauptstadt der nördlichen Rus”. Wie auch jede andere Hauptstadt zahlte Ladoga obligatorische Zinsen, die ihrem Status entsprachen: sie wurde ständig verwüstet und erobert. Nach zahlreichen Ausgrabungen hat sich festgestellt, das es relativ problematisch ist denjenigen zu finden, den die Eroberer der alten Ladoga als ersten weggejagt haben: die Stadt war ein wichtiger Punkt auf dem Handelsweg „von den Warägern zu den Griechen” an dem die Slawen, Altdeutsche und die einheimischen Finnen-Balten, also alle, äußerst interessiert waren. Und laut den Chroniken, hat die einheimischen Einwohner dies äußerst genervt, wonach sie die Waräger berufen haben, damit diese endlich mal Ordnung schaffen.

Heute ist nicht mehr so viel vom ehemaligen Ruhm geblieben: ein kleines Dorf, etwa zweitausend Einwohner und stolzer Status „alte Hauptstadt der nördlichen Rus”

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Und während sie Ordnung schafften hat Rürick eine Holzfestung in Ladoga gebaut. Dies war eine kleine Festung, ausschließlich für den Fürsten und seine Kriegsgefolgen. Danach herrschte er in Nowgorod. Der nächste Fürst, der auch Waräger war - Weschtschiy Oleg - hat die Holzbauwerke durch Steinbauwerke ersetzt. Danach wurde die Festung unendliche viele Male niedergebrannt, erobert und zerstört, wonach sie neu errichtet wurde. So steht sie bis zum heutigen Tag am Ufervorsprung direkt in der Mitte der alten Ladoga. Das Volk hat diese Festung der „Rüricker Schloss” genannt.

Man vermutet, dass sich in der Nähe das Grab von Weschtschiy Oleg befindet, etwa 1,5 Kilometer in Flussrichtung von Wolchow, am anderen Ende des Dorfes. Der 10 Meter hohe Hügel - „Oleger Grab” - ist gut erkennbar im freien Feld. Wohl kaum werden wir es irgend-wann feststellen können ob der Fürst Oleg hier in der Nähe durch einen Schlangenbiss gestorben ist, die aus dem Schädel seines Pferdes herausgekrochen ist. Aber nichts kann uns aufhalten dieser schönen Legende zu glauben.

All das sind nur Vermutungen und eine sehr alte Geschichte, die von den Neugierigen lebhafte Phantasie verlangt. Aber in heutigem Russland gibt es ein Ort, wo man die Waräger buchstäblich betasten kann und zu sehen wo und wie sie leben und was machen.

Bogen, Pfeile und Mittagessen

In der Nähe von Wyborg in der Region Leningrad am Ufer des Petrover-Sees befindet sich das Herrenhaus der Epoche der Wikinger „Swargas” genannt. Diese kleine Siedlung haben Enthusiasten schon im XXI Jahrhundert errichtet. Dafür haben sie die altrussische Burgstadt des X Jahrhunderts rekonstruiert. Die Sagen erzählen, dass früher hier tatsächlich Waräger lebten, was auch logisch ist: bis zum Jahr 1710 gehörte Wyborg zu Schweden.

Heute ist der Alltag der Bewohner des Waräger-Hofs maximal an den Alltag der alten Rus angenähert. Und alle Interessenten können innerhalb von ein Paar Stunden das Leben der Vorfahren auf eigener Haut spüren. Zum Beispiel, mittelalterliche Kleidung anziehen, Axtschleudern lernen oder mit Pfeil und Bogen schießen. Und nachdem alle Waräger besiegt sind den Sieg feiern. Für diejenigen, die nicht so viel Kampflust haben, gibt es etwas ruhigere Aktivitäten: Erforschung alter Runen, Schmiederei, in der man eigenhändig ein Artefakt ausschmieden kann, Mittagessen über offenem Feuer zubereiten und vieles mehr. Danach aber werden sie gezwungen sein eine Schlacht anzusehen, da die Wikinger in erster Linie Krieger sind.

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