Russland als Zentrum der modernen Kunst

Russische Maler sind auf der ganzen Welt bekannt - so auch als Mitbegründer der modernen Kunst

Die moderne Kunst, das Phänomen contemporary art (Gegenwartskunst) beginnt mit der russischen Avantgarde. Malewitsch, Kandinski, Tatlin, Rodtschenko, Wertow - ohne sie ist die westliche Kunst des XX. Jahrhunderts unvorstellbar. Die Revolution in der Kunst der 1960er Jahre -eine Wendung zu Happenings, Aktionen, Performances - kam aus der futuristischen und OBERIU-schen Kultur. Der eiserne Vorhand aber schnitt die russischen Maler für lange Zeit vom Weltprozess ab. Wie ist die moderne Kunst im postsowjetischen Russland vertreten und wo kann man sie sehen?

Vom Underground zu den Hauptplattformen des Landes

Die moderne russische Kunst folgt weitgehend den Traditionen des sowjetischen Undergrounds nach. Die „Totalen Installationen“ von Ilja Kabakov versetzen die Zuschauer in ein Abbild kommunaler Welt und seine Stand-Arbeiten in den Abbild einer Welt, wo neben einer Fliege eine gedruckte Replik „Wessen Fliege ist das? Diese Fliege gehört Olga Leschko“ aufgeklebt werden konnte, was die Prinzipien der sowjetischen Gemeinschaftsheims ad absurdum führte. Soz-Art von Erik Bulatov legt die sowjetischen Leitsätze und Plakate auf freie Landschaften und städtische Skizzen auf. So werden das Eindringen des Offiziöses in die Natur und deren wesentliche Unvereinbarkeit erkennbar. Die Dichtungsgramme von Dmitri Prigow, die typische sowjetische Sätze oder Wörter auf den Zeitschriftumschlägen wiedergeben, bekommen durch mehrfache Wiederholungen und geometrische Anordnung auf einem Blatt einen neuen Sinngehalt. Und bei Aktionen „Kollektives Handeln“ von Andrey Monastyrski, u.a. auch bei „Ausflügen ins Grüne“, bekommen die Zuschauer nach dem Vorbeigehen an einem riesigen Feld einen Zettel mit einem Stempel, der bestätigt, dass sie an dieser Aktion am solchen Tag teilgenommen haben, oder sie sehen am Waldrand ein Transparent „ICH BESCHWERE MICH NICHT, UND MIR GEFÄLLT ALLES, UNGEACHTET DESSEN, DASS ICH HIER NIE GEWESEN WAR UND NICHTS ÜBER DIESE ORTE WEISS“... Der Moskauer Konzeptualismus wird häufig zweite russische Avantgarde genannt. Die Künstler dieses Kreises setzten die im Modernismus vorgeschlagene Linie der Politisierung der Ästhetik fort. Und sie experimentierten mit der Kunstform, aber anstatt des utopischen Bildes der Gegenwart zeigten in vielerlei Hinsicht eine anti-utopische kritische Position. Bei der Bearbeitung der sowjetischen ideologischen Sprache zeigten sie die Sinnlosigkeit und Unmenschlichkeit des sie umgebenden Gemeinschaftslebens und versuchten den unpersönlichen Charakter der in der Gesellschaft üblichen Kommunikation zu überwinden.

Einst illegal nimmt heute die Kunst des Moskauer Konzeptualismus einen wesentlichen Platz in den Museen der ganzen Welt ein und wird regelmäßig in vaterländischen Museen gezeigt.

Einst illegal nimmt heute die Kunst des Moskauer Konzeptualismus einen wesentlichen Platz in den Museen der ganzen Welt ein und wird regelmäßig in vaterländischen Museen gezeigt

Aktionismus und Performance-Praktiken

Die performative Wendung, und zwar der Übergang von der Kunst als Schaffen von Artefakten, Bildern oder Skulpturen zur Handlungskunst, bei der der künstlerische Schaffungsprozess selbst ein Werk ist und der Körper des Künstlers als Material angesehen wird, geschah endgültig in Russland nach der Perestroika. Derzeit war Sozialismus keine führende und einzige von Staat unterstützte politische Ideologie mehr und man hatte Zugriff zu Informationen über den künstlerischen Prozess in Europa und Amerika. Die russischen Maler überdachten in den 1990er und 2000er Jahren den Begriff Kunst und folgten dabei einerseits der futuristische Linie und andererseits der Linie der westlichen Performance-Vertreter der 1960er und nachfolgender Jahre. Sie traten mehr und mehr in das öffentliche Feld und kontaktierten direkt mit den Zuschauern.

So wurde Oleg Kulik zum „Hundemensch“, an der Hundeleine und auf allen vieren bellend und springend auf die Menschen, aber auch mit einem freiwilligen Risiko eines direkten Kontaktes mit den Besuchern. Alexander Brener forderte Jelzin zum Zweikampf direkt auf dem Roten Platz auf und störte die Vorführungen berühmter Dichter. Er machte zur Kunst den Abbruch einer anderen Kunstvorführung. Elena Kowylina bot den Zuschauern Kaviar an, während sie auf Glasscherben lief, oder lud Freiwillige ein mit ihr Tee zu trinken und brannte den Tisch, ohne das Gespräch zu beenden, an. Lisa Morosowa forderte die Zuschauer zum Aufhängen von Nudeln im Museum oder zum vertraulichen Händeschütteln hinter einer schwarzen Wand auf. So blieb anstatt des visuellen Kontaktes nur taktile Empfindungen. Die Aktionen von Peter Pawslenski und der Gruppe „Krieg“ liegen am Rande des politischen Aktivismus und Performances. Sie problematisieren alle möglichen ethnischen und ästhetischen Verbote.

Es folgt die Aneignung der Popkultur, Entdeckung derer Techniken und Formen. Wladislaw Mamyschew-Monro verwandelt sich in unterschiedliche Media-Figuren - von Marylin Monroe und der sowjetischen Schauspielerin Ljuba Orlowa bis zur Politikerin Walentina Matwijenko und der ukrainischen Politikerin Julia Timoschenko.

Ab den 2000er Jahren, wie auch in der ganzen Welt, entwickelt sich aktiv die delegierte Performance. Dabei handelt nicht der Künstler selbst, sondern die von ihm angestellten Performer, die seine Anweisungen einhalten. Gleichzeitig streckt sich zur Performativität das Theater sowohl in der Dramaturgie als auch in Musik und Tanz. In den 2010er Jahren finden wir das Performance-Festival im Meyerhold-Theaterzentrum und eine der größten Auszeichnungen in der modernen Kunst - der Kurjochin-Preis - wird in gleichem Maße Künstlern der modernen Kunst und des Theaters verliehen.

Dabei widmen die Künstler große Aufmerksamkeit der Arbeit mit Media als einer bereits traditionellen Videokunst und Online-Technologien. Media werden nicht der „persönlichen Anwesenheit“ gegenübergestellt, sondern verstärken diese und erforschen den Charakter der erweiterten Realität. Den heutzutage vollständigsten Archiv der Mediaarbeiten und der den Mediakünstlern gewidmeten Publikationen kann man auf der Webseite des Zentrums „MediaArtLab“ finden.

Dabei widmen die Künstler große Aufmerksamkeit der Arbeit mit Media als einer bereits traditionellen Videokunst und Online-Technologien. Media werden nicht der „persönlichen Anwesenheit“ gegenübergestellt, sondern verstärken diese und erforschen den Charakter der erweiterten Realität

Die bekanntesten modernen russischen Künstler

Heute setzen ihre Tätigkeit die Moskauer Konzeptualisten Wiktor Piwowarow, Juriy Albert, Wadim Sacharow und Irina Nachowa fort.

Anatoliy Osmolowskiy, Pionier des Moskauer Aktionismus der 1990er Jahre, kam durch nicht spektakuläre Kunst (d.h. Kunst, die die Spektakularität und Theatralität zurückweist und in Alltäglichkeit ohne irgend-welche Ausstellungsmarker vertieft ist) zur Mitte der Nullerjahre zur Galerie-Objektkunst und seine Arbeiten werden heute in der ganzen Welt ausgestellt. Er leitet das Institut für moderne Kunst „Basa“.

Eine Persönlichkeit, ohne die die russische Kunst der letzten 30 Jahre unvorstellbar ist, - Künstler und Kunstwissenschaftler Dmitriy Gutow.

Im Installationsstil arbeitet Irina Korina. Mit Video arbeiten Wiktor Alimpijew, Jakob Kashdan, Gruppen „Blaue Nasen“, „Prowmysa“. Surrealistische Bilder und Objekte werden von Leonid Tischkow ausgestellt. Die weltweit berühmteste Gruppe AES+F realisiert Multimediaprojekte in Serien, indem sie provokatorische perfekte visuelle und tabuierte Bilder, kritische für die westliche Gesellschaft Themen durch unerwartete Effekte verbindet.

Kollektives Gedächtnis und Trauma erforscht Heim Sokol.

Wo werden die modernen Kunstwerke ausgestellt?

Die Hauptplattformen der modernen Kunst befinden sich in Hauptstädten.

In Moskau ist dies das Moskauer Museum für moderne Kunst mit zahlreichen Plattformen und regelmäßig wechselnden Ausstellungen und Bildungsprojekten; Museum „Garage“, das sich im Gorki-Park gegenüber der Neuen Tretjakowka - Hauptsammlung der russischen Kunst des XX. Jahrhunderts, befindet. Zusammen mit dem sich hier befindenden Park „Museon“, Moskauer Museum und Foto-Zentrum „Lumiere“ auf der Sumpfinsel bilden sie eine vorteilhafte Kulturroute. Im Multimedia-Kunstmuseum in der Ostoshenka-Straße finden hauptsächlich, aber nicht nur Fotoausstellungen statt. Das Zentrum der modernen Kunst „Winsawod“, das vor über zehn Jahren auf dem Gelände des Industriegebiets eröffnet wurde, besteht heute aus 11 Galerien und zusammen mit dem Kunstcluster Artplay bildet ein modernes Kunst-Bezirk in der Nähe von der Metrostation „Kurskaja“. Dies ist ein anschauliches Beispiel für radikale künstlerische Gestaltung des Stadtraumes. Der Fond V-A-C veranstaltet auf verschiedenen Stadtplattformen internationale Ausstellungen. Regelmäßig wendet sich zur modernen Kunst das Staatliche Puschkin-Kunstmuseum und Schauraum „Arbeiter und Kollektivbäuerin“ auf der Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft. Ausstellungen moderner Kunst, vor allem der Mediarichtung, finden im Neuen Flügel des Gogol-Hauses und die Performance-Ausstellungen im Neuen Raum des Völkertheaters statt. Neben den Ausstellungen bietet die Galerie in der Soljanka-Straße Performance-Unterricht an. Tanzperformance wird im Kulturzentrum SIL angeboten. Das Staatliche Zentrum für moderne Kunst veranstaltet Ausstellungen, Vorlesungen und Seminare sowohl in Moskau als auch in anderen Städten: Nischni Nowgorod, Jekaterinburg, Kaliningrad, Tomsk, Samara, Wladikaukasus, St. Petersburg.

Die Hauptplattform der modernen Kunst in St. Petersburg ist das Hauptgebäude der Ermitage. Gerade in St. Petersburg auf der Wasiljew-Insel befindet sich das größte private Museum der modernen Kunst in Russland „Erarta“. Zu den Galerien, die regelmäßig Ausstellungen organisieren, gehören die Marina-Gisich-Galerie und Galerie „Anna Nova“. Das einzigartige im Land Straßenkunst-Museum befindet sich im östlichen Stadtteil.

Das wichtigste regionale Projekt im Bereich moderner Kunst ist die alljährliche Uralische Industrie-Biennale. Public- und Land-Kunstobjekte findet man im Kunstpark „Nikolay-Leniwetz“ im Kaluger Gebiet. Hier wird zwei Mal im Jahr das Landschaftskunstfestival „Archstojanije“ veranstaltet.

In Woronesch werden die Ausstellungen der modernen Kunst aktiv während des Platon-Festivals veranstaltet. Performances und Ausstellungen finden regelmäßig im Rahmen des Internationalen Djagilew-Festivals in Perm statt. In Perm gibt es ein eigenes Museum für moderne Kunst PERMM. Die Kunstwerke des Südens Russlands werden im Museum für moderne Bildkunst in der Dmitrow-Straße in Rostow-am-Don ausgestellt. Das ist das erste private Museum in Russland. In Kasan werden die besten Projekte vom Fonds für Unterstützung moderner Kunst „Belebte Stadt“ und dem Zentrum für moderne Kultur „Smena“ realisiert.

Um für sich neue Namen in der russischen modernen Kunst zu entdecken, raten wir Ihnen die Träger des Preises „Innovation“ und des Kandinski-Preises nicht aus den Augen zu lassen

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